Hallo, wach?

 
 
“Noch niemals sah ich einen Menschen, der wirklich nach der Wahrheit sucht. Jeder, der sich auf den Weg gemacht hatte, fand früher oder später, was ihm Wohlbefinden gewährte. Und dann gab er die weitere Suche auf."  Mark Twain

“Noch niemals sah ich einen Menschen, der wirklich nach der Wahrheit sucht. Jeder, der sich auf den Weg gemacht hatte, fand früher oder später, was ihm Wohlbefinden gewährte. Und dann gab er die weitere Suche auf."

Mark Twain

Ihr Lieben,

vielleicht wisst ihr es aus den Medien, hier bei uns auf Mallorca ist das Leben quasi eingefroren worden. So schlimm dies für viele Menschen ist, so sehr gut tut es der Natur. Der Natur, in der wir alle leben und die wir auf Teufel komm raus (…!) strapaziert haben.

Gestern wurde im Hafen von Soller, im Norden der Insel, ein Delfin gefilmt. Eine Sensation. Die Luftverschmutzung im Hafen von Palma ist um 50% zurückgegangen, weil seit zwei Wochen kein Kreuzfahrtschiff mehr anlegen darf. Der gesamte Verkehr, ob Auto, Flugzeug oder Schiff, ist auf ein Minimum reduziert worden, die Strände sind leer, ebenso die Wander- und Fahrradstrecken.

Still ist es geworden, so still, dass man den Atem von Mutter Erde wieder hören kann. Sie atmet tief durch in diesen Tagen. Jeder, der es wahrnehmen kann, wird davon tief berührt sein. Und sich alles andere wünschen, als zurück zur Normalität zu finden.

Die Polizisten, die jeden Tag die Straßen kontrollieren, bemühen sich, die Menschen aufzumuntern, indem sie musizieren, singen oder irgendwelche Karnevalsklamotten auspacken. Es fehlt uns weder an Lebensmitteln noch an medizinischer Versorgung. Für diejenigen, die allein sind oder die es nicht gut zuhause haben, ist es sicher hart. Auch für die Kinder, die sich nicht frei draußen bewegen können, ist es eine wirklich schwierige Zeit. Von existentiellen Sorgen vieler Menschen will ich gar nicht sprechen. Ein Ausnahmezustand, so wie ich (und ihr wahrscheinlich auch) ihn noch nicht erfahren habt.  

Emotional bewegt habe ich mich in den vergangenen zwei Wochen zwischen Momenten der Angst über Wut bis hin zu einem Gefühl von tiefer Dankbarkeit – und einigem dazwischen.
Heute, am Tag 16 unserer Ausgangsbeschränkung, fühle ich mich kraftvoll und klar und ich möchte diesen Moment nutzen, euch zu schreiben.

Viele verschiede Experten habe ich mir mittlerweile zum aktuellen Thema angehört. Angefangen bei Medizinern bzw. Virologen, bei Experten des Finanzwesens, Experten aus Wirtschaft und Politik - und natürlich nicht zu vergessen bei den Weisen der spirituellen Szene bis hin zu den sogenannten Verschwörungstheoretikern. Alle sind im Netz zu Hochtouren aufgelaufen, alle haben etwas zu sagen, alle sorgen dafür, dass der Informationsfluss schier unendlich ist.

Ich habe keine Theorie oder gar einen Lösungsansatz für die aktuelle Lage, ich möchte heute lediglich meine Erfahrungen der letzten Wochen mit euch teilen. Mit Leidenschaft berichten viele Experten auf allen Kanälen und beurteilen die Lage der Nation und der Welt. Jetzt ist für sie die Zeit gekommen, ihr Wissen (oder ihre Theorien) anzubringen. So liegt es in der Verantwortung eines jeden selbst, der auf der anderen Seite zuhört, sich seine Meinung zu bilden. Das ist nicht immer einfach. Je eindrucksvoller oder charismatischer ein Experte ist, desto mehr wird er uns ungeprüft in eine Richtung beeinflussen. Manchmal merken wir im Nachhinein, wenn wir das Gehörte reflektieren, dass wir unbewusst in etwas hineingezogen wurden, weil wir der Faszination des Augenblickes erlagen. Einfacher Tipp an dieser Stelle: alles, was uns mitreißt, ein zweites Mal anhören oder ansehen, das ist wirklich hilfreich!!

Wir suchen nach Erklärungen, wir wollen uns auf etwas verlassen können. Wir haben - bewusst oder unbewusst - längst erkannt, wie komplex das aktuelle Problem ist und was alles damit in Verbindung steht. Unser Denken wird überfordert, je mehr an Informationen auf uns einprasseln. Diese Flut führt dazu, dass wir Meinungen übernehmen, statt sie zu überprüfen. Dabei spart unser Hirn viel Energie. Energiesparen ist von der Evolution vorgesehen, doch das dient uns im jetzigen Zeitalter nicht (mehr)!  Und last but not least, unsere sowieso schon angespannten Nervensysteme sind kurz vor dem absoluten Overload. Ich mache deshalb immer mal eine Medienpause. Es ist wichtig, informiert zu sein, doch noch wichtiger ist es, das wir nicht gestresst sind! Stress zu vermeiden ist in diesen Tagen wirklich eine Herausforderung, aber machbar. Weniger ist für mich gerade mehr, in vielerlei Hinsicht.

Doch nun das Wichtigste, was ich heute mit euch teilen möchte.
Bitte - überprüft, was ihr lest oder hört!

Ich habe noch keinen einzigen Beitrag konsumiert, in dem es keine Schwachstellen gibt. Entweder werden Dinge nur halb berichtet (je nachdem, was passt) oder es werden Behauptungen aufgestellt, die nicht haltbar sind. Ganz praktisch mein Tipp: Nehmt euch eine Aussage (ein Beispiel wäre die vielzitierte Luftverschmutzung in Norditalien als Grund für die Anhäufung von Fällen), schaut euch Berichte und Statistiken an (die gab es schon vor der Krise) und dann seht selbst. Das ist nur ein Beispiel von vielen. Pickt euch intuitiv immer mal wieder was heraus, fragt nach, forscht im Internet, lest nach! Ihr werdet euch wundern…

Zu guter Letzt noch ein paar Zahlen, die ich gestern in einem Post einer lieben Freundin entdeckt habe, einfach mal zum Sinken lassen:

"Schätzungen der Vereinten Nationen (UNICEF, 2018) zufolge sterben jedes Jahr rund 5,4 Millionen Kinder unter fünf Jahren. Rund 3 Millionen dieser Todesfälle sind auf die Folgen von Mangel- und Unterernährung zurückzuführen. Das sind etwa 8.200 Kinder unter fünf Jahren täglich oder etwa alle zehn Sekunden ein Kind."
Quelle: www.welthungerhilfe.de

Diese Zahlen sprechen mehr als 1000 Worte. Wieviel Aufwand ist ein Menschenleben wert? Wie ist unsere Einstellung zum Sterben in der sogenannten ersten Welt? Zum Tod überhaupt? Fragen, die mich gerade beschäftigen.

Viele reden vom Erwachen in diesen Tagen. Gemeint ist zumeist das spirituelle Erwachen (diesen Begriff übernehme ich jetzt einfach mal so). Bestimmt ist es gerade eine hilfreiche Zeit, uns mit unseren inneren Räumen auseinanderzusetzen und zu entdecken, was außerhalb des Sichtbaren zu finden ist. Doch Erwachen ist noch mehr, es fordert uns auch in unserem Menschsein heraus. Gute Visionen brauchen eine klare Geisteshaltung, deshalb ist es wichtig, klar zu denken und in unserer Kraft zu bleiben. Unser denkender Verstand ist unersetzbar hilfreich, wenn wir ihn achtsam und wachsam nutzen. Wenn wir selbst denken, in aller Ruhe, und nicht länger denken lassen. Wenn wir nicht aufgeben, nach der Wahrheit zu suchen.

Insofern wünsche ich mir, dass sich das obige Zitat von Mark Twain nun selbst überholen darf. Es ist an der Zeit.

 Foto @carina.braak

 
Carina Braak