"Klaras Haus"

 
 
“…Es wird kein Ferienhaus sein, jedenfalls nicht im üblichen Sinne. Dieses Haus steht euch zur Verfügung, wenn ihr nicht mehr weiter wisst oder nicht mehr weiter könnt…“.

“…Es wird kein Ferienhaus sein, jedenfalls nicht im üblichen Sinne. Dieses Haus steht euch zur Verfügung, wenn ihr nicht mehr weiter wisst oder nicht mehr weiter könnt…“.

Ihr Lieben,

der Winter auf Mallorca ist durch, die Mandelblüte leider schon fast vorbei. Hier und heute nun das erste Mal in diesem Jahr Post von mir für euch.  

Zum Jahresanfang ist es auf der Insel wie gewohnt recht ruhig und beschaulich. Dieses Jahr hatten wir einen milden Winter und nun bereits im Februar frühlingshafte Temperaturen mit über 20 Grad. Das Tiny-House für „meine“ Frauen erfährt gerade einen Frühlingsputz, die ersten Blumen werden gepflanzt und die Gartenmöbel aus dem Schuppen geholt. Wenn du den Frühling in diesem Jahr ein wenig früher genießen magst, nur zu! Ab Ende März bin ich als deine Gastgeberin wieder gerne für dich da, ob zu einem begleiteten Retreat oder einfach nur zu einer Zeit des wohligen Nichtstuns und Nichtsmüssens.

Über die Weihnachtsfeiertage (und auch noch ein bisschen darüber hinaus…) hatte ich mir diesmal großzügig Raum zur Einkehr gegönnt. Diese Zeit der Ruhe und Regeneration hat mir sehr gutgetan. Gern möchte ich dir heute etwas von meiner Rückzugsphase erzählen. Ich hatte ein Erlebnis, das mich mit einem tieferen Verständnis darüber, wie wir Menschen „ticken“, beschenkt hat und über das ich sehr dankbar bin.

Es ging um eine Inspiration, die ich vor vielen Jahren bekommen hatte, die sich ganz still und unbemerkt in mir ausbreitete und deren Entfaltung ich es verdanke, dass ich heute das tue, was ich tue. Bewusst habe ich diesen Prozess niemals angetrieben. Genau genommen habe ich gar nichts dafür getan, sondern einfach nur den Zeitpunkt abgewartet, an dem die Dinge offensichtlich wurden. Und noch nicht einmal das Warten selbst war ein bewusstes Warten, es brauchte keine Anstrengung und keine Geduld… es geschah einfach, parallel zu allem anderem in meinem Leben.

Die Geschichte, die ich dir erzählen möchte, ist gar nicht spektakulär - doch das muss sie auch nicht sein. Auch gefühlte Kleinigkeiten haben die Kraft, an der richtigen Stelle Großes zu bewirken und das ganz ohne unser Dazutun. Viele von uns (vielleicht auch du?) warten auf den besonderen Tag, ein besonderes Zeichen, verfolgen eine besondere Strategie, stellen Visionen auf und investieren viel in ihre Wünsche und Vorstellungen über die Zukunft. Und dann kommt es doch, wie es kommt - und das meist anders. Wenn wir zurückblicken, dann wird uns im Nachhinein meist klar, dass es all der Anstrengung gar nicht bedurft hat, dass die Gedanken, die wir uns gemacht haben, gar nicht nötig waren.

Unser Unterbewusstsein ist sehr mächtig und das nicht nur im negativen Sinn. Das darf, nein es muss sogar, an dieser Stelle einmal ausdrücklich erwähnt werden. Denn meist sind es die schlechten Nachrichten, die über unser Unterbewusstsein verbreitet werden. Doch dieses ist weder schlecht noch gut, es speichert einfach nur alles, völlig wertfrei. Zu gegebener Zeit meldet es sich und wenn wir einigermaßen wach sind, dann können wir das bewusst wahrnehmen. Und im nächsten Schritt angemessen darauf reagieren.

Doch nun zu besagter Geschichte, meiner ganz persönlichen:
Mir begegnete im Januar ein Buch, welches ich schon vor langem gelesen hatte, ganz unverhofft wieder. Ich hatte es verliehen, nie zurückbekommen und dann auch irgendwann vergessen. Es handelte sich dabei um einen Roman von Sabine Kornbichler und er heißt „Klaras Haus“. Ich habe ihn sehr gemocht und er gehörte zu den wenigen Büchern, die ich tatsächlich zwei Mal gelesen hatte. Doch warum das so gewesen war, was dieses Buch eigentlich mit mir gemacht hatte und welchen Einfluss es auf mein heutiges Leben hat, das wurde mir erst in diesem Moment klar, als es mir wieder begegnete.

In diesem Roman geht es um ein Haus auf Pellworm (und im weiteren Verlauf um zwei Frauen, die sich dort treffen und das nicht aus Zufall…). Als Klara, die Besitzerin des Hauses, stirbt, hinterlässt sie ihr Haus einem Treuhandfond. Folgendes steht in ihrem Testament (Zitat aus dem Buch): „Diesem Fond dürfen Gelder nur zum Erhalt des Hauses und zum Unterhalt seiner jeweiligen Besitzer entzogen werden. Das Haus wird ein Zufluchtsort sein für Euch, Eure Familien und Eure Freunde. Es wird kein Ferienhaus sein, jedenfalls nicht im üblichen Sinne. Dieses Haus steht euch zur Verfügung, wenn ihr nicht mehr weiter wisst oder nicht mehr weiter könnt…“.

Als ich das Buch vor kurzem wieder in den Händen hielt, habe ich diese Stelle im Text sofort wiedergefunden. Genau das war die Inspiration, die ich eigentlich niemals vergessen hatte und die in mir über Jahre gearbeitet hat! Ich erinnerte mich:  Als ich das Buch damals las, da entstand in mir der Wunsch, einen solchen Rückzugsort irgendwann auch zu kreieren – und zwar zu meinen Lebzeiten! Einen Ort, an dem man sich aufgehoben fühlt, wenn das Leben vielleicht gerade mal nicht rund läuft. Wenn es anstrengend ist, wenn man sich erschöpft fühlt und alles gerade zu viel ist. Wenn man für eine Zeit nur mit sich selbst sein will und einen Freiraum braucht, um das Leben (vielleicht seit langem mal wieder) aus dem Moment heraus genießen zu können. Und, wie könnte es anders sein, es wurde mir beim erneuten Lesen klar, dass ich mir solch einen Ort schon mehr als ein Mal in meinem Leben für mich selbst gewünscht, aber nicht gefunden hatte.

Dank dieser Inspiration steht nun, viel später, doch genau rechtzeitig, ein Tiny House auf unserer Finca. Aus dem Ruf wurde für mich so etwas wie eine Berufung. Auch das ist kein Ferienhaus im üblichen Sinn. Es ist ein Ort, an dem SIE für ein paar Tage einfach sein kann. Wo sie nicht allein ist und dennoch für sich. Gut aufgehoben und versorgt, doch mit allem Freiraum, den es braucht, um sich in diesen ver-rückten Zeiten wieder zu zentrieren.

„Klaras Haus“ hat damals den Samen gesät und mich inspiriert. Viele Jahre hat es gedauert, bis etwas Stabiles aus dem Samen wachsen konnte. Nun steht es, das kleine Wohlfühl-Haus, und es wartet darauf, Frauen für eine kleine Auszeit zu beherbergen.

Vielleicht fällt dir, nun da du meine kleine Geschichte gelesen hast, ein ähnliches Erlebnis ein. Woher kamen deine Inspirationen? Und wie haben sie sich bemerkbar gemacht? Ich bin neugierig und freu mich, wenn du Lust hast, mir davon zu erzählen!

Das Buch steht jetzt übrigens wieder in meinem Schrank. Ich werde es auch ein weiteres Mal verleihen, denn ich bin sicher, es kommt sowieso wieder zu mir zurück – auf welchem Weg auch immer. So wie jede Frau zu mir findet, die genau das bei mir findet, was ihr gerade gut tut – auf welchem Weg auch immer! Und all das darf in jeglicher Hinsicht einfach sein!

Mit sonnigen Grüßen von der Insel!

Eure Carina

 Foto @carina.braak

 
Heike Becker