Stoffwechselstörung HPU – bist du betroffen?
10 % der Frauen haben HPU und sie wissen es nicht.
Was ist HPU?
HPU ist keine Krankheit, sondern eine Stoffwechselstörung. Durch den stetigen Verlust von Mikronährstoffen kommt es zu Symptomen und Beschwerden, die sich oft nicht zuordnen lassen. Viele Betroffene bekommen keine Hilfe, denn bei Ärzten und Heilpraktiken ist die HPU noch weitgehend unbekannt. Sollten sie dennoch auf jemanden treffen, der mit HPU etwas anzufangen weiß, dann wird nicht selten einfach nur ein HPU-Komplexmittel empfohlen. Dieses besteht hauptsächlich aus Vitamin B6, Zink und Mangan. Doch das reicht nicht! Zum einen, weil diese Stoffwechselstörung sehr komplex ist und deshalb ein solides Behandlungskonzept braucht, welches definitiv über die standardisierte Einnahme von Mikronährstoffen hinausgeht. Zum anderen, weil aufgrund der gestörten Stoffwechsellage bei den meisten Betroffenen noch einige Mikronährstoffe mehr im Mangel sind. Um diesen nachhaltig zu beseitigen, braucht es aussagefähige Labortests, auf denen dann die Einnahme von Mikronährstoffen basiert.
Was eigentlich heißt HPU?
Es ist die Abkürzung für Hämo-Pyrrollaktam-Urie.
Wie stelle ich fest, ob ich betroffen bin?
Wenn Symptome vorliegen und gleichzeitig der Labortest positiv ist. Zunächst zum Test: Die HPU wird mittels eines einfachen Urintest diagnostiziert. Medivere ist ein freies, akkreditiertes Labor, welches den Test für aktuell knapp 30 Euro anbietet. Es wird ein Testkit zugeschickt, man nimmt eine Urinprobe und schickt den Test zurück. Ganz einfach und für jeden machbar.
Ist HPU in Deutschland als Krankheit anerkannt?
Bislang nicht. Aber das ändert sich gerade, denn es gibt immer mehr Betroffene. Sie berichten nicht nur von ihren Symptomen, sondern auch davon, wie ihnen die HPU Behandlung nachweislich hilft und sich ihre Lebensqualität dadurch spürbar verbessert. Ähnlich war es übrigens beim Reizdarmsyndrom, welches aber mittlerweile in der Schulmedizin anerkannt ist. Viele Menschen setzen sich bereits dafür ein, dass dies bei HPU auch geschehen wird.
Was passiert bei einer HPU?
Grundproblem bei HPUlern: der Körper produziert teilweise falsch gebautes Häm. Die falsch gebauten Moleküle des Häm sind toxisch und der Körper muss sie deshalb ausscheiden. Dazu benötigt er fortwährend vor allem Vitamin B6, ebenfalls Zink und Mangan. Dies Stoffe fehlen dann an anderer, wichtiger Stelle.
Häm ist ein Teil des Hämoglobins, es ist lebensnotwendig und wichtig für den Sauerstofftransport. Haben wir nicht genug davon, dann fehlt es bei wichtigen Stoffwechsel-Prozessen. Das führt zu folgenden Problemen:
Zu wenig Sauerstoff in Organen und Muskulatur, das verringert die Leistungsfähigkeit.
Energiedefizit in den Zellen, da Häm auch hier eine zentrale Rolle spielt
Mangelnde Entgiftung, da Häm ein wichtiger Bestandteil von Enzymen ist. Es entsteht vermehrt oxidativer Stress.
Häm wird für Nervenbotenstoffe benötigt. Ebenfalls brauchen wir es für die Bildung von Serotonin und Melatonin. Deshalb fühlen sich HPUler oft psychisch instabil und schlafen nicht gut.
Häm wird für die Herstellung von Cholesterin, Steroidhormonen, Schilddrüsen-Hormonen, Vitamin D und Gallensäure benötigt.
Der Körper hilft sich, indem er fortwährend das falsch gebaute Häm ausscheidet. Das muss er, da es toxisch ist. Dafür braucht er, wie schon erwähnt, Zink, Mangan und vor allem Vitamin B6 in der aktiven Form (P-5-P). Der Mangel an gesundem Häm und an für den Stoffwechsel wichtigen Mikronährstoffen hat gesundheitliche Folgen.
Wir haben es bei HPU fast immer mit einem eklatanten B6-Mangel zu tun. Und dieser ist in der Regel auch das Hauptproblem. Für was brauchen wir aktives Vitamin B6?
Für den Histaminabbau – viele HPUler haben Probleme mit Histamin
Für die Herstellung von Hormone
Für die Bereitstellung von Neurotransmittern (GABA, Noradrenalin, Serotonin, Dopamin)
Für die Herstellung von Magensäure – hier gibt es oft einen Mangel, der sich dann in einem Reizdarm zeigt. Denn haben wir zu wenig Magensäure, ist die Verdauung bereits hier gestört.
Herstellung von Aminosäuren, die wir für die Entgiftungsphase 2 brauchen
Unsere Nerven sind auf Vitamin B6 angewiesen
Wir brauchen B6 für die Aufnahme von Zink, Magnesium, Mangan und Chrom
Des Weiteren haben wir bei HPU oftmals einen Mangel an Zink. Dieses brauchen wir für über 300 Stoffwechsel-Prozesse. Ein Zinkmangel beeinflusst:
Die Sexualhormone
Das Immunsystem
Die Neurotransmitter
Den Kohlehydrat- und Fett-Stoffwechsel
Für Haut, Haare, Nägel
Zur Aktivierung von Vitamin B 6, denn Zink und Vitamin B6 benötigen sich gegenseitig.
Mangan wird auch oftmals an das falsche Häm angeheftet und fehlt. Daraus ergeben sich Probleme beim
Histamin Abbau
Bei der Blutgerinnung
Beim Schutz vor oxidativem Stress
Beim Fett- und Kohlehydrat-Stoffwechsel
Bei der Melatonin-Produktion
Beim Aufbau von Bindegewebe (viele HPUler klagen über ein schlechtes Bindegewebe)
Welche Symptome treten bei einer HPU auf?
Haben wir nicht genug gesundes Häm im Körper, kommt der Stoffwechsel aufgrund von Mangel an wichtigen Mikronährstoffen irgendwann in einen desolaten Zustand. Daraus ergeben sich vielfältige Symptome.
Symptome, die mit einer HPU in Verbindung stehen:
Starke Müdigkeit bis hin zur Erschöpfung
Geringe Stresstoleran
Ängste, Panikattacken und Depressionen
Erhöhte Infektanfälligkeit
Reizdarm
Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten
Migräne
Schmerzende Muskeln und Gelenke
Autoimmunerkrankungen, Allergien
Hautprobleme
Zyklusstörungen, PCOS (Polyzystisches Ovarialsyndrom)
Wie lange kennt man die HPU schon?
Die Entdeckung der HPU geht zurück auf die 1950er Jahre. Dort entdeckte ein Arzt, Dr. Carl Pfeiffer (Brain Bio Center, New Jersey), dass eine Vielzahl von Patienten eine erhöhte Ausscheidung von Hämopyrrollaktam im Urin aufwiesen. Sie litten an Müdigkeit, Angstzuständen und Depressionen und sprachen auf die üblichen psychiatrischen Behandlungen nicht an. Er erkannte daraufhin bereits den Zusammenhang zwischen HPU und psychischen Problemen.
HPUler sind oft sehr empathische und feinfühlige Menschen, denen es schwer fällt, Grenzen zu setzen. Sie bezeichnen sich als sensibel. Es gibt offensichtlich Parallelen zu Menschen, die an Traumafolgen oder Hochsensibilität leiden. Aufgrund fehlender Mikronährstoffe kommt es zu Problemen mit Neurotransmittern und das kann sich auf die Psyche auswirken. So kann es sein, dass es trotz passenden Therapien immer wieder zu Rückschlägen kommt, die sich die Betroffenen oft selbst nicht erklären können. Im schlimmsten Fall halten sie sich selbst für nicht therapierbar, weil irgendwie nichts verlässlich und nachhaltig wirkt und sie wissen einfach nicht mehr weiter. Hochsensiblen Persönlichkeiten fehlt zum Beispiel oftmals GABA, ein Neurotransmitter, der dafür sorgt, dass wir innere und äußere Reize abfiltern können. So geraten sensible Menschen noch mehr unter Stress und leiden unter ihrer Hochsensibilität. Hier darf nochmals ganz klar werden, wie wichtig eine ganzheitliche Sichtweise auf den Menschen ist.
Ein gesunder Geist und eine gesunde Seele brauchen einen gesunden Körper, in dem sie wohnen können.
Einige ADHS Betroffene haben oftmals gleichzeitig ein HPU. Wenn einige der Symptome zutreffen, würde ich grundsätzlich dazu raten, einen Test zu machen. Die Behandlung der HPU wirkt sich auf jeden Fall positiv auf die ADHS Symptomatik aus.
Eine HPU wird in der Regel vererbt. Daher ist es sinnvoll, auch nach den nächsten Angehörigen zu schauen, sollten diese Symptome haben. Die meisten Betroffenen sind Frauen, ca. 10 % der Bevölkerung. Ungefähr 1 % Männer sind betroffen. Natürlich gibt es auch eine Menge Kinder, die betroffen sind. Oft sind auch sie typische HPU-Persönlichkeiten. Diese Kinder sind sehr feinfühlig und empathisch, tun sich schwer mit Leistungsdruck und leiden ebenfalls an einer auffallenden Müdigkeit. Zum Thema Kinder wird es demnächst einen extra Blogartikel geben.
Kommen Patienten mit diesen vielfältigen Symptomen zum Arzt oder Heilpraktiker, so kann ihnen oft nicht geholfen werden, da noch zu wenig Wissen über HPU vorhanden ist und daher die Symptome nicht eingeordnet werden können. So werden sie von A nach B geschickt und wenn niemand mehr weiter weiß, dann wird ihnen nur allzu oft die Psychotherapie als letzte Möglichkeit empfohlen. Nichts gegen Psychotherapie, ganz im Gegenteil. Da die HPU stressinduziert ist, kann es durchaus sein, dass psychischer Stress die Symptome verschlimmert. Doch ohne die Behandlung des Körpers, der oftmals schon seit Jahren im Mangel ist, können sich die Symptome nicht nachhaltig verbessern. Hier fehlt die ganzheitliche Sicht auf den Menschen. Wir sind nicht Körper oder Seele oder Geist. Wir sind Körper, Seele und Geist. Wenn sich ein Teil von uns nicht wohl fühlt, leiden alle anderen mit. Ich finde es sehr wichtig für Betroffene, dass sie mehr und mehr in die Eigenverantwortung kommen, sich informieren und sich eine einfühlsame und kompetente Begleitung suchen. Die HPU ist sehr komplex und braucht am Anfang eine gute Unterstützung.
Woran erkenne ich eine gute Unterstützung?
Daran, dass du gesehen wirst. Mit allem, was du bist.
Du bist nicht deine Laborwerte. Du bist einzigartig und hast eine individuelle Geschichte.
Ein guter Begleiter, eine gute Begleiterin versucht nicht, dich für ein Konzept passend zu machen, sondern passt das Konzept an dich an. Das ist ein himmelweiter Unterschied zu vielem, was wir gewohnt sind.
Was ist das HPU-Behandlungskonzept?
1. Mikronährstoffe und spezielle Labortest
Für die passende Supplementierung von Mikronährstoffen brauchen wir die richtigen Labortest. Einfach ins Blaue mit Nahrungsergänzungen zu therapieren oder nur ein Komplexmittel zu empfehlen ist unzureichend und aus ganzheitlicher Sicht für einen HPU-Betroffenen nicht zuträglich. Die Auswahl der Mikronährstoffe richtet sich nach den Laborwerten und muss an die besondere Stoffwechsellage angepasst sein.
Jeder Mensch braucht einen individuellen Einnahmeplan. Warum ist das so wichtig? Heikel kann zum Beispiel die Gabe von Vitamin B6 sein. Besonders bei HPUler, die im psychischen Bereich Symptome haben, braucht es einen sanften Einstieg, denn es kommt manchmal zu Begleiterscheinungen. Das wissen die meisten nicht. Wer nicht informiert ist und keine kompetente Begleitung hat, bricht dann vielleicht die Einnahme ab und das wäre fatal.
Bei einem positiven HPU-Test-Ergebnis empfehle ich zeitnah eine Mikronährstoffanalyse. Wenn jahrelang aufgrund der HPU ein Mangel bestand, so wirkt dieser sich auch auf andere Mikronährstoffe aus, die ebenfalls dringend aufgefüllt werden müssen. Diese Analyse brauchen wir aus dem Vollblut. Werte aus dem Serum sind nicht ausreichend, weil wir hier nicht sehen können, was in der Zelle ankommt.
2. Ernährung
HPUler haben oftmals Probleme mit der Verdauung. Für den Anfang empfehle ich, wenn irgendwie möglich, einen 4 – 6 wöchigen Verzicht auf Gluten, Kuhmilchprodukte und Zucker. Dann kann sich das System einmal beruhigen und das wirkt sehr entlastend. Wir müssen auch nach Alkohol schauen (wir haben es bei HPU mit einer Entgiftungsstörung zu tun) und ebenfalls nach Koffein (Stresshormone, Nebennieren).
Auch brauchen HPUler dringend Unterstützung bei der Entgiftung. Ein Bindemittel sorgt dafür, dass Stoffwechsel-Zwischenprodukte auch aus dem Körper ausgeschieden werden können. Denn sobald der Stoffwechsel durch die Gabe der bislang mangelnden Mikronährstoffe aktiviert wird, kommt auch die Entgiftung in Gang und die Entsorgung sollte jetzt unbedingt gut funktionieren.
3. Lebensführung, Bewegung und Stressvermeidung
Welche Lebensführung tut mir gut? Was passt zu meiner aktuellen Konstitution, meinem Leben und zu meinem Gesundheitszustand? Oftmals kennen wir uns selbst gar nicht gut genug, um zu wissen, was zu uns als Individuum passt und welche Lebensführung unserem Wohlbefinden zuträglich ist. Wie wichtig, das hierauszufinden! Denn wenn wir gegen unsere Natur leben, kann das immensen Stress auslösen, der sich dann wieder negativ auf die HPU auswirkt (und natürlich auf unser gesamtes Leben).
DESHALB, zum guten Schluss noch mal ganz deutlich, weil es so wichtig ist:
HPU ist stressinduziert!
Je mehr Stress, desto mehr falsch gebautes Häm wird nachweislich ausgeschieden. Bedeutet, umso mehr kommt der Körper in einen Mangel. Das eine befeuert das andere.
Unter Stress leidet der Körper ganz besonders und die HPU-Problematik verstärkt sich.
Es geht also konsequenterweise nicht darum, mittels eines ausgeklügelten „Stressmanagement“ zu versuchen, doch weiterhin alles irgendwie hinzubekommen wie bislang. Die Ursache von Stress zu erforschen steht ganz oben an. Eine gute Begleitung ist wichtig, um den Stressoren auf den Grund zu kommen, anstatt eine Symptomvermeidung zu betreiben. Der Aufwand lohnt sich, um nachhaltig aus der Erschöpfung hinaus zu finden und um das Leben endlich wieder lebenswerter zu erleben!
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